Feinfühlige Väter

Hochsensible Kinder sind wie bunte Farbtupfer, denn sie bringen Licht, Lebendigkeit, Leichtigkeit, viel Gefühl und Mitgefühl in eine Welt, die manchmal grau und empathielos erscheint. Frauen und besonders den Mamas sollen einfühlsam, mitfühlend und verständnisvolle sein. Beim weiblichen Geschlecht wird eine intensive  Gefühlswelt  zugesprochen. Dabei ist es egal, ob Frau nun sensibel oder hochsensibel ist. Dagegen soll das „starke Geschlecht“, die Männer und die Papas eher für das Machen zuständig sein. Aber so stimmt es nicht mehr, denn zum Glück stehen immer mehr Männer zu ihrer Gefühlswelt und auch zu ihrer Feinfühligkeit.

Herausforderung von hochsensiblen Vätern

Natürlich gibt es sie: Feinfühlige, sensible und hochsensible Väter, die es aufgrund des leider immer noch währenden Gesellschaftsbild manchmal noch schwerer als  Mütter haben. Bewusste Väter, die sich liebevoll um ihre Kinder kümmern, leisten auch das, was bei Müttern vorausgesetzt wird – nämlich den Kleinen ihre Liebe, eine große Portion Geborgenheit, viel Geduld und Zeit zu schenken. Aber auch hochsensible Väter kommen schnell an ihre Grenzen. Sie sollten endlich die in Männerköpfen oftmals wie eingemeißelte Botschaft „Du musst deinen Mann stehen“ einfach mal über Bord schmeißen. Damit ist gemeint, dass ein Mann funktionieren muss und immer einen auf hart und unverletzlich mimt. Aber genau das ist der Knackpunkt, denn wenn Mann seine hochsensiblen Gefühle unterdrückt oder wegdrückt, wird sich seine Gefühlswelt langfristig einen Kanal zur Entladung suchen, oder das Seelenleben wird getrübt. Das kann  dann schnell zu körperlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Verspannungen usw. führen. Das Seelenleben kann aus der Balance geraten und dadurch zusätzlich das partnerschaftliche Zusammenleben stark belasten…

Hier geht es zum ausführlichen Beitrag „Väter und ihre hochsensiblen Kinder“ (und zum Beitrag hochsensible Mütter und ihre Kinder)



Ergänzend zu dem Beitrag „Väter und ihre hochsensiblen Kinder“ habe ich einen Papa interviewt:

Der hochsensible Vater mit hochsensiblem Kind

Wie durch einen „Zufall“ bin ich mit dem Verleger Markus Bertolero zusammen gekommen. Sein Geschäftspartner Thomas Wendt hatte sich nach kurzer Rücksprache mit ihm für mein Buchprojekt „Ich bin wie ich bin – genial und total normal“  - ein Mutmachbuch für (hoch-) sensible Kinder, entschieden. Zurückblickend sagte mir Markus, habe er ohne jegliches Fachwissen sich ganz spontan für das Buch entschieden, weil ihm „irgendetwas“ bei dem Thema eine Gänsehaut beschert habe. Eine kleine Erleuchtung erlebte er dann, als er mit seinem Sohn das Buch „Ich bin wie ich bin – genial und total normal“ gelesen hat - aber davon soll Markus Bertolero selber berichten:

Markus, hattest Du eine Ahnung, dass Du auch hochsensibel sein könntest?

Nein! Denn dieser Begriff war vollkommen neu für mich. Allerdings habe ich schon gespürt, dass irgendetwas mit mir nicht stimmt. Wirklich darauf gekommen bin ich erst durch die tiefgehenden Telefonate mit Sabina, die für mich wie „Seelen-Hochsensibilitäts-Coaching Gespräche“ waren. Es war schön und beruhigend zugleich mit jemand reden zu können, der aus eigener Erfahrung nachvollziehen kann, was mich bewegt und einen versteht.

Wie hast Du dich als kleiner Junge gefühlt? Und später als erwachsener Feinfühler?

An die Kinderzeit kann ich mich kaum erinnern. Als Jugendlicher  war ich Klassensprecher, Spielführer und war wohl auch „beliebt“.  Ich konnte schon immer gut (Ver)stimmungen anderer wahrnehmen und ausgleichen. Doch das, in Verbindung mit einem quasi nicht zu beruhigendem Denken, hat mich später des Öfteren an meine Grenzen gebracht. Ich hatte jahrelang immer Kopfschmerzen. Tagsüber, beim Einschlafen und auch beim Aufwachen. Zudem habe und hatte ich das Gefühl, dass ich im Laufe der Zeit deutlich empfindsamer geworden bin, was beispielsweise die Wahrnehmung von Sinneseindrücken anbelangt.

Wie gehen Deine Freunde damit um, dass Du so feinfühlig und sensibel bist?

Eine gute Frage. Es ist sicher so, dass eine gewisse „Bereinigung“ stattgefunden hat. Mit zunehmender Lebenserfahrung und einem anderen Blick auf die Dinge, ziehe ich mich auch bewusster zurück. Ich muss jetzt nicht bei jedem  Treffen tiefgründige Gespräche führen aber für allzu Oberflächliches ist mir dann einfach die Zeit zu schade. Ergänzend kommt hinzu, dass ich verstanden habe, wer verantwortlich für mein Leben ist. Nämlich ich! Daraus resultierende Entscheidungen  haben sicher für manches Kopfschütteln hinter verschlossenen Türen geführt. Als „komischer Kauz“ oder „Eigenbrötler“ wurde ich auch bezeichnet. Das ist schon seltsam: Bei Udo Lindeberg singen alle voller Inbrunst „Und ich mach mein Ding, egal was die anderen sagen“, aber wenn es dann mal einer macht, stößt das auf Unverständnis. Naja, vielleicht fehlt hier- insbesondere bei den Männern - noch etwas der Mut oder die Selbstwertschätzung.

Welche „Erleuchtung“ hast Du erfahren (Du hast von Erleuchtung gesprochen), als Du mit deinem Sohn gemeinsam das Buch „Ich bin wie ich bin – genial und total normal“ gelesen hast?

Amigos Geschichte hat mich tatsächlich tief bewegt. Was genau das war, kann ich gar nicht mehr sagen. Vielleicht waren es die vielen kleinen versteckten Botschaften, die etwas in mir (aus)gelöst haben. Oder möglicherweise  auch der Titel „Ich bin wie ich bin – genial und total normal“ – oder alles zusammen. Wir Menschen neigen ja gerne dazu, uns sehr leistungsorientiert zu betrachten. Da tut es gut, solch eine Mutmachgeschichte zu lesen,  und sich als Okay zu fühlen, so wie man ist. Da muss Mann erst ein Kinderbuch lesen, um für sich eine „Erleuchtung“ zu erfahren, um die Erkenntnis zu gewinnen, das „sich irgendwie anders fühlen“, vollkommen in Ordnung ist. 

Mein Sohn liebt die Geschichte auch sehr, er wollte immer wieder nochmals den Anfang hören. Und es ist ein tolles Gefühl als Vater so ein Buch mit seinem Sohn zu lesen. Wenn meine Tochter so weit ist, werde ich es auch mit ihr lesen.

Was ist für Dich als hochsensibler Vater die größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung für mich ist, auf mich und meine Bedürfnisse zu achten. Und obwohl ich weiß, worauf ich achten muss, tappe ich immer wieder in die alten „Fallen“ hinein. Klare Strukturen bzw. Grenzen sind wahrscheinlich für alle Kinder wichtig. Da fehlt es mir manchmal in stressigen Zeiten an Hartnäckigkeit.

Welche Werte gibst Du als hochsensibler Mann an Deinen Sohn weiter?

Hhhm, einzelne Werte zu nennen fällt mir schwer. Wir haben einen ganz wunderbaren Sohn und lieben ihn auch mit allen Ecken und Kanten. Ich versuche, als Vorbild zu agieren und versuche mein aktuelles Verständnis von der Welt mit seinem in Einklang zu bringen. 

Welche Botschaft möchtest Du hochsensiblen Vätern mit auf den Weg geben?

Obwohl ich schon mit dieser Frage gerechnet und lange Zeit darüber nachgedacht habe, fällt mit die Antwort ziemlich schwer. Die große Herausforderung besteht wohl zunächst darin, sich selbst zu erkennen, und ja, sich auch selbst annehmen oder sogar lieben zu können. Damit verringert sich auch automatisch die Erwartungshaltung an das Kind und die Chancen für ein ausgeglicheneres  Leben.

Danke Markus für Deine Offenheit! Wir könnten das Interview sicherlich noch lange weiter führen…


 

Selbstfürsorge

„Wenn das eigene Feuer ausbrennt, kann es kein Licht mehr entzünden“ -diese östliche Weisheit ist sehr tiefgründig und bedeutend, aber über die Essenz wird oftmals gar nicht nachgedacht. Das gilt nicht nur für Mütter, sondern auch für Väter!

Liebe Väter, übt euch mehr in Selbstfürsorge! Es ist eine große Stärke, einfach einmal „Nein“ oder „Das schaffe ich jetzt nicht“ zu sagen. Vor allen Dingen sollten Männer den ewigen inneren Antreiber, den Perfektionisten endlich zum Mond schießen, damit das ewige einander zu vergleichen und besser sein wollen, aufhört. Männer mit viel Gefühl und gleichzeitig Willensstärke und Einzigartigkeit braucht die Welt. Auch ein Mann hat nur einen begrenzten Energielevel, also übernehmt Selbstverantwortung und übt euch in Selbstfürsorge. Zeigt eurem Kind, dass auch Papas Ruhezeiten brauchen, die auch für das hochsensible Kind überlebenswichtig sind, um den Stresslevel wieder in Balance zu bringen. Traut Euch und lebt den Kindern vor, dass Gefühle wichtig sind. Lehrt den Kindern die unbeschreibliche Kraft der Gelassenheit und wie wichtig es ist, als Mann, egal ob jung oder alt, Gefühle zu zulassen, zu zeigen und leben zu dürfen.


 

Sabina Pilguj, Autorin, Bloggerin, IBIZA-Coach, Yogalehrerin  Autorin des Buches „Ich bin wie ich bin – genial und total normal“ – ein Mutmachbuch für (hoch-)sensible Kinder und Eltern und „Take it easy“ ein Selbstcoachingbuch für mehr Gelassenheit.

www.ibi-za.de

 

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